Aus der Geschichte des Dorfes Neersen 

Neersen befindet sich etwa 70 km südwestlich von Hannover in der reizvollen Landschaft des Weserberglandes. Das kleine idyllische Kirchdorf Neersen verfügt über viel Grün, schön angelegten Blumenrabatten, einen Feuerlöschteich mit Grillplatz und Grillhütte sowie über zwei alte Dorfbrunnen, die an historischer Stätte wieder aufgebaut wurden.  Die ehemals selbstständige Gemeinde Neersen ist seit 1973 ein Ortsteil von Bad Pyrmont und zählt heute etwa 300 Einwohner.  

Über die genaue Entstehungszeit von Neersen, das früher auch Nedersen genannt wurde, kann heute im Grunde nur spekuliert werden. Aber als sogenannter „- hau(sen)" Ort muss Nedersen wohl mit großer Wahrscheinlichkeit dem Frühmittelalter zugerechnet werden. Denn in der Zeit der altsächsischen Siedlungsperiode vor Beginn des 9. Jahrhunderts entstanden auch in unserer Gegend durch Waldrodungen vermehrt Hofanlagen und Ansiedlungen, die sich dann zu geschlossenen Dörfern entwickelten. Aufgrund der mangelnden schriftlichen Urkunden aus dieser Zeit ist das in Bezug auf Neersen aber eher hypothetisch zu sehen.

Das Bergdorf Neersen gehörte im Spätmittelalter mit der Ottensteiner Hochebene zum Einflussbereich der Grafen von Everstein, die seit etwa Mitte des 13. Jahrhunderts mit den Edelherrn von Homburg überwiegend die politischen Verhältnisse links und rechts der Weser zwischen Hameln und Holzminden bestimmten. Mit der Errichtung der Burg Ottenstein zu Beginn des 14. Jahrhunderts, vermutlich unter Graf Otto, beherrschten die Eversteiner die Ottensteiner Hochebene und unterstrichen damit gleichzeitig ihren Herrschaftsanspruch im westlichen Weserraum. 

Im Jahre 1263 tritt bereits ein Priester Dietrich von Nedersen mit als Zeuge bei der Übertragung von Gütern des Grafen Hermann von Everstein und seiner Gemahlin Hedwig an das Kloster Falkenhagen auf. Und ein Kirchspiel Nedersen wird wenige Jahre später in den Urkunden erwähnt, als als die Grafen Adolf und Albert von Everstein im Jahre 1276 die Schenkung ihres verstorbenen Bruders Wedekind in Bezug auf den Zehnten zu Honroth (Wüstung südlich von Vahlbruch) im Kirchspiel Nedersen ebenfalls an das Kloster Falkenhaben bestätigen. Das Kirchspiel Neersen war eine wichtige Grenzparochie des etwa um 800 gegründeten Bistums Minden gegenüber dem westlich angrenzenden Bistum Paderborn und verwaltungsmäßig dem Archidiakonat Ohsen an der Weser zugeordnet. 

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ging der Eversteinische Besitz an die Welfen über und Herzog Bernhard von Braunschweig-Lüneburg belehnte im Jahre 1460 den Grafen Moritz von Pyrmont mit „Nedersen, Glesse und Ludeborn". 
Nach dem Tod von Graf Moritz von Pyrmont im Jahre 1494 übernahm Graf Friedrich von Spiegelberg die Herrschaft in der Grafschaft Pyrmont, die er nach einem Erbfolgestreit mit den Edelherrn zur Lippe 1525 als Lehen des Bistums Paderborn erhielt. In diese Zeit der Spiegelberger Herrschaft in Pyrmont fällt auch der Neubau der heutigen Paulus-Kirche in Neersen im Jahre 1536, die seit jeher mit den weiteren Pyrmonter Bergdörfern Baarsen, Eichenborn, Großenberg und Kleinenberg ein gemeinsames Kirchspiel bildete. Etwa ab 1520 begann für Neersen eine etwa vierzig Jahre andauernde Bedrängnis, da Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel beabsichtigte, das Amt Ottenstein allmählich über die gesamte Hochebene nach Westen hin zu erweitern. Ab 1520 begannen die Auseinandersetzungen und Streitigkeiten zwischen Herzog Heinrich und den Grafen von Spiegelberg, die mit einer beinahe bis „heute gültigen Grenzfestlegung" (Kreisgrenze Hameln-Pyrmont/Holzminden) Neersen für Spiegelberg-Pyrmont sicherte. Der Kirchenneubau 1536 in Neersen sollte auch für die Spiegelberger ihren Herrschaftsanspruch auf die westliche Hälfte der Hochebene sinnbildlich dokumentieren. 

Die Bewohner der einzelnen Dörfer der ehemaligen Grafschaft Pyrmont mussten noch weitere Herrschaftswechsel überstehen. Nach dem Aussterben der Grafen von Spiegelberg übernahm zunächst Hermann Simon zur Lippe, dann die Grafen von Gleichen in Thüringen und schließlich 1625 die Grafen von Waldeck die Herrschaft in Pyrmont. Während Pyrmont unter dem Fürsten Georg Friedrich zu einem der bekanntesten Kur- und Badeorte Europas aufstieg lebten die Bewohner der „oberen Grafschaft" in den Pyrmonter Bergdörfern überwiegend von der Landwirtschaft und kleineren Handwerksbetrieben. 

Damals wie heute verfügt das kleine idyllische Kirchdorf Neersen über viel Natur und einem einmaligen Baumbestand innerhalb des Dorfes. Wanderer und Ausflügler rühmen immer die aussichtsreiche Höhenlage mit Blick in die abwechslungsreiche Landschaft des Weserberglandes. Überzeugen Sie sich doch einmal selbst…….!!!

(Text: Wolfgang Warnecke)